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Die Historie des Standortes

Der Industriepark Höchst – eine Erfolgsgeschichte

1863 – Farben aus Höchst

Die „Theerfarbenfabrik Meister Lucius & Co.“ geht an den Start

Der Industriepark Höchst hat einmal klein angefangen: Vor 150 Jahren begann die Erfolgsgeschichte des Industriestandortes mit einer kleinen Fabrik für die damals innovativen Teerfarben. Die im Jahr 1863 in Höchst gegründete „Theerfarbenfabrik Meister Lucius & Co.“ war ein Start-Up-Unternehmen der ersten Stunde. Erstes Produkt war das „Fuchsin“, für das „Meister Lucius & Co.“ noch Lizenzgebühren entrichten musste. Ausgehend von diesem Produkt erweiterte die Theerfarbenfabrik ihr Angebot an Farbstoffen fortlaufend. Bereits im Jahr der Gründung 1863 errangen die Farbwerke ihr erstes Patent für ein lichtechtes Grün, das auch im Gaslicht noch satt schimmerte.

1869 – Das Krapp-Rot gibt der „Rotfabrik“ ihren Namen

Mit dem roten Farbstoff aus der Krapp-Wurzel wurden Uniformhosen gefärbt. 1869 gelingt es den Farbwerken, das Alizarin-Rot großtechnisch zu synthetisieren. Im Volksmund gab das Krapp-Rot der Rotfabrik ihren Namen. Es war das erfolgreichste Produkt der jungen Farbenfabrik.

1877 – Der nassauische Löwe

Der nassauische Löwe, das schon länger verwendete Firmenzeichen, wird im Jahr 1877 offiziell eingeführt.

1898 – Die Farbwerke synthetisieren Indigo-Blau

Arbeitskleidung und Jeans, Matrosenanzüge und Waffenröcke färbte man mit Indigo, einem tiefblauen Farbstoff, der aus der indischen Indigopflanze oder aus dem Färberwaid gewonnen wurde. Doch die Qualität und die Ernteerträge schwankten. Die künstliche Herstellung von Indigo war Adolf von Baeyer im Jahr 1880 bereits gelungen. Im gleichen Jahr begannen die Farbwerke mit den Versuchen, diese Synthese in ein großtechnisches Verfahren zu überführen, was nach rund 20 Jahren gelang. Gegenüber dem natürlichen hatte der synthetisch gewonnene Indigo klare Vorteile in der Anwendung für die Textilindustrie: Dieser Farbstoff war leicht zu dosieren und garantierte gleichbleibende Farbqualitäten.

1883 – Arzneimittel aus Höchst

Die Farbwerke werden zu einem Chemieunternehmen

Rund zwanzig Jahre nach Gründung wurde aus der „Theerfarbenfabrik“ ein Chemieunternehmen: 1883 begannen die „Farbwerke vorm. Meister Lucius & Brüning“ mit der Pharma-Produktion. Erst im Jahr 1881 war es dem Chemiker Otto Fischer gelungen, Chinin zu synthetisieren. Die Farbwerke nutzten das Patent von Fischer und brachten ab 1883 das fiebersenkende „Kairin“ auf den Markt, das erste synthetische Medikament.

1904 gelingt es dem Chemiker Friedrich Stolz, das Hormon Adrenalin zu synthetisieren, es künstlich und nicht aus Schlachttieren zu gewinnen. 1906 bringen die Farbwerke das Hormon unter dem Namen „Suprarenin“ auf den Markt. Bereits im Jahr 1905 war es den Farbwerken gelungen, mit „Novocain“ das erste künstlich hergestellte Betäubungsmittel zu entwickeln.

Erfolgreiche Zusammenarbeit mit Nobelpreisträgern

An der Erfolgsgeschichte des Industrieparks haben große Namen mitgeschrieben: Robert Koch, Begründer der medizinischen Mikrobiologie und der Immunitätsforschung, übergab den Farbwerken Hoechst sein Labor. Dies war der Beginn der Produktion von Impfstoffen am Standort. Vor der gefürchteten Diphtherie, einer Volkskrankheit, konnten sich die Menschen erstmals durch ein Impfserum schützen, das die Farbwerke nach dem Verfahren Emil von Behrings in Serie produzierten.

1910 – Beginn der modernen Chemotherapie mit „Salvarsan“

Paul Ehrlich verwendete Farbstoffe aus Höchst, um Zellen unter dem Mikroskop besser untersuchen zu können. Später entwickelte Ehrlich ein Mittel gegen die Syphilis. Wieder gelang es den Farbwerken, das Präparat großtechnisch in gleich bleibender Qualität herzustellen und im Jahr 1910 als „Salvarsan“ auf den Markt zu bringen – dies ist der Beginn der modernen Chemotherapie.

1923 – Insulin aus Höchst

Auch bei der Produktion von Insulin war Höchst ein Produktionsstandort der ersten Stunde. Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts bestand die einzig mögliche Therapie bei Diabetes mellitus in allerstrengster Diät. Bereits 1912 begannen die Farbwerke mit der Erforschung von aus Bauchspeicheldrüsen von Tieren gewonnenen Extrakten zur Nutzung in der Diabetes mellitus-Therapie. Im Oktober 1923 brachte das Unternehmen „Insulin Hoechst“ in Europa in den Verkauf. Bis zum heutigen Tag ist der Industriepark Höchst einer der bedeutendsten Pharmastandorte in Europa.

1925 – Gründung der I. G. Farben AG

Mitte der 1920er Jahre waren die Farbwerke in der „I. G. Farbenindustrie Aktiengesellschaft“ aufgegangen und Höchst wurde zu einem I. G. Farben-Werk unter vielen.

Das Werk Höchst der I. G. Farben im Nationalsozialismus

1933 rissen die Nationalsozialisten die Macht in Deutschland an sich. Wie andere Industriezweige kooperierten auch die I. G. Farben mit dem Nazi-Regime. Alle als jüdisch geltenden Mitarbeiter wurden zwischen 1933 und 1938 aus dem Unternehmen entlassen.

Verbrechen der I. G. Farben

Nachdem Nazi-Deutschland den Krieg im Jahr 1939 begonnen hatte, setzten die I. G. Farben nicht nur Kriegsgefangene, sowie Fremd- und Zwangsarbeiter in ihren Werken ein, sondern auch Insassen von Konzentrationslagern. Im Werk Höchst der I. G. Farben sind KZ-Häftlinge zwischen 1940 und 1945 nicht nachweisbar. Doch rund 8.500 Fremd- und Zwangsarbeiter aus mehr als fünfzehn Nationen mussten im Werk Höchst während des Zweiten Weltkrieges arbeiten.

1945 – „Farbwerke Hoechst US Administration“

Am 29. März 1945 besetzten amerikanische Truppen das Werk und den Stadtteil Höchst. 1945 hatten die Alliierten die Auflösung der I.G. Farbenindustrie AG verfügt und alle Werke unter Militärverwaltung gestellt. Nach der Entflechtung der I. G. Farben erstanden die vormals zur I. G. fusionierten Unternehmen wieder auf. Die Farbwerke firmierten zunächst noch unter „Farbwerke Hoechst US Administration“ – Vorbild für die spätere Schreibweise mit „oe“ anstelle des deutschen Umlauts. 1947 wurde das neue Logo mit Turm und Brücke des Peter-Behrens-Baus eingeführt. 1953 wurden die Farbwerke Hoechst aus der amerikanischen Kontrolle entlassen.

Von Kohle zu Erdöl: Start der Petrochemie am Standort

Bereits im Jahr 1928 hatte am Standort die Produktion von „Mowilith“, einem Polyvinylacetat (PVA), begonnen. Nach dem Zweiten Weltkrieg änderte sich für die chemische Industrie die Rohstoffbasis: Das aus der Kohle gewonnene Acetylen wurde weitgehend durch Ethylen aus Erdöl ersetzt. Das Zeitalter der Petrochemie und der Kunststoffe begann.

Hosta-Kunst-Stoffe und -Fasern aus Höchst

Im Jahr 1952 erwarb Hoechst das Niederdruckpolyethylen-Verfahren des Chemikers Karl Ziegler, mit dem Polyethylen aus Ethylen hergestellt werden konnte. Am Standort wurde noch im Jahr 1952 ein Betrieb errichtet, der viele erfolgreiche Kunststoffe unter dem Markennamen „Hosta-“ entwickelte und vermarktete. Nicht nur viele Gebrauchsgüter des täglichen Bedarfs konnten aus diesen Kunststoffen gefertigt werden, sondern auch stark belastete Maschinenteile wie Zahnräder.

Kunstfaser „Trevira“

Für den Einstieg bei Kunstfasern hatte Hoechst zunächst eine Lizenz zur Herstellung von Polyesterfasern erworben, die das Unternehmen 1955 unter dem Namen „Diolen“ der Textilindustrie anbot. Dann brachte Hoechst unter dem Markennamen „Trevira“ eine eigene Innovation auf den Markt. Die pflegeleichte Textilfaser war angenehm zu tragen und ließ sich mit den eigens entwickelten Farbstoffen, den „Samaronen“, lichtecht färben. Zudem waren die Kleidungsstücke für die neu eingeführten Waschmaschinen geeignet. Für „Trevira“ gab es viele Anwendungsmöglichkeiten, unter der Marke „Trevira Studio International“ brachte Hoechst Modekollektionen auf den Markt und das extrem belastbare „Trevira Hochfest“ wurde in der Industrie als technischer Faserwerkstoff eingesetzt.

„Farbwerke Hoechst AG vormals Meister Lucius & Brüning“

Die nach dem Krieg neugegründeten Farbwerken haben Weltneuheiten auf den Markt gebracht: Sie entwickelten sogenannte Reaktiv-Farbstoffe, deren Moleküle sich chemisch an Wolle, Seide und Perlonfasern banden – eine farbechte Verbindung. 1957 brachte Hoechst die „Remazol“-Farben auf den Markt, mit denen sich Baumwolle besonders brillant färben ließ. Das 1958 eingeführte Antibiotikum „Reverin“ wirkt gegen schwerste Infektionskrankheiten. Es ist das erste intravenös anwendbare Tetracyclin-Breitbandantibiotikum.

1960 – Neue Zentralforschung entwickelt Innovationen

Im Stammwerk Höchst der Hoechst AG entsteht in den 1960er Jahren die neue Zentralforschung des Konzerns. Hier werden viele Innovationen entwickelt: Ein Welterfolg gelingt 1964 mit dem Salureticum „Lasix“ zur Behandlung der Herzinsuffizienz. Das neue Diuretikum wirkt stark auf die Natriumausscheidung, beeinflusst die des Kaliums hingegen nur gering. 1972 bringt Hoechst „Trental“ auf den Markt, ein durchblutungsfördernd und entzündungshemmend wirkendes Medikament. Es wird für viele Jahre eines der umsatzstärksten Arzneimittel des Konzerns. Auch das 1980 eingeführte Antibiotikum Claforan war ein großer Erfolg und wurde in den Folgejahren zu Hoechsts umsatzstärkstem Medikament.

1965 – Chemische und biologische Abwasserreinigung

Bereits 1965 wurde am Standort mit dem Bau einer großen Anlage zur chemischen und biologischen Reinigung der Abwässer begonnen. Die zweite Ausbaustufe der biologischen Abwasserreinigungsanlage wird 1977 fertiggestellt. Mit der dritten Ausbaustufe wird 1981 begonnen. Kernstück sind die neu entwickelten Bio-Hoch-Reaktoren, die die Gesamtleistung wesentlich erhöhen

1995 – Abschied von Hoechst

1995 kaufte Hoechst das amerikanische Pharmaunternehmen Marion Merrel Dow und verwandelte sich von einem zentralisierten Konzern in eine Strategische Management-Holding. Hoechst konzentrierte sich weltweit auf Pharma, Landwirtschaft und Chemie und stieg aus Geschäftsfeldern aus, in denen das Unternehmen nicht weltweit führend war. Das Pharmageschäft wurde im neuen Unternehmen „Hoechst Marion Roussel“ zusammengefasst. 1999 fusionierte die Hoechst AG, die größtenteils nur noch aus dem Pharmabereich „Hoechst Marion Roussel“ und der Landwirtschaftstochter „Hoechst Schering AgrEvo“ bestand, mit dem französischen Unternehmen Rhône-Poulenc zu Aventis. 2001 verkaufte das Unternehmen die Agrochemie-Sparte „Crop Science“ an Bayer. Aventis selbst wurde 2004 von dem französischen Pharmaunternehmen Sanofi-Synthélabo, heute Sanofi, übernommen.

1997 – Das Stammwerk Höchst wird zum „Industriepark Höchst“

Den Betrieb des ehemaligen Stammwerks der Hoechst AG übernahm die im Jahr 1997 neu gegründete Betreibergesellschaft Infraserv Höchst, der Standort wurde als „Industriepark Höchst“ zu einem Produktions- und Forschungsstandort vieler Unternehmen.

Standort von 90 Unternehmen

Mit dem Abschied von Hoechst war aus dem ehemaligen Stammwerk eines Unternehmens ein Standort vieler Unternehmen geworden: Der Industriepark Höchst. Die neu gegründete Betreibergesellschaft Infraserv Höchst öffnete den Standort 1997 für konzernfremde Unternehmen. Waren zu Beginn rund 40 Unternehmen im Industriepark ansässig, wuchs die Zahl auf über 90 Unternehmen mit mehr als 22.000 Beschäftigten am Standort. Investitionen in Höhe von rund rund 6,3 Milliarden Euro seit dem Jahr 2000 belegen die Anziehungskraft des Industrieparks, größter Gewerbesteuerzahler der Stadt Frankfurt und wichtigster Standort für das verarbeitende Gewerbe in der Rhein-Main-Region.

1998 – Bildungsstandort Industriepark

Der Industriepark ist auch ein Bildungsstandort: 1998 wurde Provadis gegründet. Der Fachkräfteentwickler der Industrie bildet junge Menschen in mehr als 40 verschiedenen Berufen aus und hat rund 250 Weiterbildungsangebote im Angebot. In Hessen wird Provadis zum größten Ausbildungsdienstleister. 2003 eröffnete eine Hochschule am Standort: Die Provadis Hochschule ist auf duale und berufsbegleitende Studiengänge spezialisiert und bietet die Möglichkeit, international anerkannte Bachelor- und Master-Abschlüsse zu erwerben.

2005 – Pharmawasser-Erzeugungsanlage und Gasturbine gehen in Betrieb

Pharmawasser ist ein speziell „gereinigtes Wasser“, es wird für die Produktion und Fertigung von Arzneimitteln und Lebensmittelzusatzstoffen benötigt. Die weltweit größte Erzeugungsanlage für Pharmawasser ging im Jahr 2005 am Standort in Betrieb. Gasturbinen mit Kraft-Wärme-Kopplung wurden in Betrieb genommen. Sie ermöglichen ein besonders hohes Maß an Energieeffizienz, dabei ist der Kohlendioxid-Ausstoß deutlich geringer.

2008 – Neues Logistik-Zentrum eröffnet

Der Erfolg eines Standortes hängt auch von ausgezeichneten Verkehrsanbindungen ab: Am Südhafen wurde der Trimodalport ausgebaut, der Schiene, Straße und Wasserstraße miteinander verbindet. Ein neues Hochregallager mit rund 70.000 Palettenplätzen wurde eröffnet. Das Logistik-Zentrum von Infraserv Logistics verfügt über vollautomatische Regalbediengeräte in den beiden Lagerblöcken und Elektrohängebahnen in der Warenumschlaghalle. Beim Versand der Produkte in alle Welt profitiert der Industriepark von seiner Nähe zum Flughafen Frankfurt.

2011 – Bioerdgas aus dem Industriepark

Seit 2007 werden in der Biogas-Anlage in einem eigens entwickelten Verfahren erstmals industrielle Klärschlämme zusammen mit organischen Abfällen in Biogas umgewandelt. Dieses Biogas wird seit 2011 in der Bioerdgas-Aufbereitungsanlage auf Erdgasqualität aufbereitet und anschließend in das Versorgungsnetz eingespeist, das schont die begrenzt verfügbare Ressource Erdgas. Desweiteren sorgt eine Ersatzbrennstoff-Anlage für nachhaltige Energieerzeugung.

2011 – Weltgrößte Anlage für Polyoxymethylene-Kunststoffe

Die weltgrößte Produktionsanlage für Polyoxymethylene wurde 2011 im Industriepark Höchst eingeweiht. Die unter dem Markennamen Hostaform vertriebenen Hochleistungskunststoffe von Celanese sind vielseitig einsetzbar: bei Haushaltsgeräten und Zahnrädern in der Industrie, bei Befestigungselementen und Trinkwasseranwendungen oder in der Automobilindustrie.

2013 – Clariant Innovation Center

Clariant eröffnet im Oktober sein neues globales Zentrum für Forschung & Entwicklung im Industriepark Höchst. In das Clariant Innovation Center investiert das Spezialchemieunternehmen 100 Millionen Euro. Im Jahr 2013 hat der Industriepark Höchst sein 150-jähriges Bestehen gefeiert.

2014 – Weed Resistance Competence Center

Das Weed Resistance Competence Center (WRCC) von Bayer CropScience wird als weltweites Wissenschaftszentrum zum Thema Unkrautresistenzen im Industriepark Höchst eröffnet.

2015 – Grundsteinlegung für neue Pflanzenschutzmittel-Produktionsanlage

Bayer Crop Science legt im Juli 2015 im Industriepark Höchst den Grundstein einer neuen Produktionsanlage für das Pflanzenschutzmittel Basta. Seit dem Jahr 2000 haben die Unternehmen am Standort rund 6,3 Milliarden Euro in den Industriepark Höchst investiert.

Pioniere der „New Economy“: Die Unternehmensgründer und der technische Direktor

Keimzelle des Industrieparks Höchst war die kleine „Theerfarbenfabrik Meister Lucius & Co.“ für die damals innovativen synthetischen Farbstoffe, die sich als eine „New Economy“ etablieren konnte. Unternehmensgründer waren der Chemiker Dr. Eugen Lucius und seine Teilhaber Carl Friedrich Wilhelm Meister und Ludwig August Müller. Ein weiterer Mann der ersten Stunde war der Chemiker Adolf Brüning, ein Studienfreund von Lucius. Brüning trat als technischer Direktor in die Teerfarbenfabrik ein und übernahm nach dem Ausscheiden von Müller im Jahre 1865 dessen Firmenanteile. 1867 wurde der Firmenname in „Meister Lucius & Brüning“ geändert. Die drei Firmenlenker praktizierten eine klare Arbeitsteilung: Meister verantwortete den Verkauf, Lucius forschte im Labor und Brüning organisierte die Produktion.

Bild: Eugen Lucius (links), Carl Friedrich Wilhelm Meister (Mitte), Adolf Brüning (rechts)

August Laubenheimer: Mitgründer der bakteriologischen Abteilung in Höchst

Professor August Laubenheimer war seit 1883 in Diensten der Farbwerke Höchst und zunächst für die Farbstoffe und die synthetischen Arzneimittel verantwortlich. Professor Laubenheimer hielt Verbindung zu Universitäten und externen Forschungsinstituten und ermöglichte damit die Zusammenarbeit mit den späteren Nobelpreisträgern Robert Koch, Emil von Behring und Paul Ehrlich. Der Chemiker baute die bakteriologische Abteilung in Höchst auf und schuf damit die Grundlage für die Produktion von Immunpräparaten und Impfseren am Standort.

August Laubenheimer, * 1848 in Gießen; † 1904 in Höchst

Robert Koch: Begründer der medizinischen Mikrobiologie – Nobelpreis 1905

Robert Koch enthüllte, das mikroskopisch kleine Lebewesen Krankheiten hervorrufen – dies wies er am Lebenszyklus des Milzbrand-Erregers nach. Später entdeckte er die Mikroorganismen, die für die Erregung der ansteckenden Tuberkulose verantwortlich sind. Dafür erhielt er im Jahr 1905 den Nobelpreis für Medizin. Der Nachweis von Krankheitserregern im Körper war ein großer Schritt und begründete die Immunitätsforschung. Robert Koch übergab den Farbwerken Hoechst sein Labor. Dies war der Beginn der Produktion von Impfstoffen am Standort. Von Robert Kochs Bedeutung kündet heute nicht nur der Robert-Koch-Preis, mit dem jährlich herausragende biomedizinische Forschungsarbeiten ausgezeichnet werden, sondern auch das Robert-Koch-Institut (RKI), das Bundesinstitut für Infektionskrankheiten und nicht übertragbare Krankheiten in Berlin. Der Vorläufer des heutigen RKI wurde im Jahr 1891 gegründet – Robert Koch selbst hat das Institut bis zum Jahr 1904 geleitet.


Robert Koch, * 1843 in Clausthal; † 1910 in Baden-Baden

Emil von Behring: Entdecker der Serum-Therapie – Nobelpreis 1901

Im Ständestaat des 19. Jahrhunderts prädestinierten Emil Behring weder eine hohe Geburt noch materieller Reichtum, um sich einen großen Namen zu machen. Der spätere Nobelpreisträger wurde als Sohn eines Lehrers geboren und konnte das Abitur nur dank eines staatlichen Stipendiums erwerben. Mit großer Zielstrebigkeit absolvierte er seine berufliche Laufbahn und verpflichtete sich als Arzt zum Militärdienst. Später forschte Behring am Institut von Robert Koch an einem Mittel gegen die Volkskrankheit Diphterie. Er entdeckte, dass die von den Diphterie-Bakterien abgesonderten Giftstoffe, die Toxine, durch vom Körper gebildete Stoffe, Antikörper, unschädlich gemacht werden können. Behring gelang es, ein Serum mit Antitoxinen herzustellen: Er gewann es aus dem Blut infizierter Tiere, deren Immunabwehr Antikörper gebildet hatte. Die Impfung heilte zwei kranke Kinder. Und Behring erschuf die wissenschaftliche Grundlage der Serum-Therapie. Dafür wurde er nicht nur geadelt (und durfte sich nun „von Behring“ nennen), sondern er konnte auch den ersten Nobelpreis für Medizin im Jahr 1901 entgegennehmen. Die Farbwerke produzierten ein Impfserum gegen Diphterie nach dem Verfahren Emil von Behrings in Serie.

Emil von Behring, * 1854, † 1917

Friedrich Stolz: Ein erfolgreicher Höchster Forscher

Die Pharmazie wurde Friedrich Stolz gleichsam in die Wiege gelegt: Er entstammte einer Heilbronner Apothekerfamilie und hatte in München Pharmazie studiert. Nach dem Studium entschied er sich gegen die Arbeit in einer Stadtapotheke, was der Wunsch seines Vaters gewesen wäre. Gut, dass der begabte Forscher nicht auf seinen Vater hörte. Stattdessen ging er als Industriechemiker nach Höchst, wo er immer wieder Forschungserfolge feierte. 1893 entwickelte er aus dem Antipyrin-Molekül das „Pyramidon“. 1904 gelingt es dem Friedrich Stolz, das Hormon Adrenalin zu synthetisieren, es künstlich und nicht aus Schlachttieren zu gewinnen. Im Jahr 1906 bringen die Farbwerke das Hormon unter dem Namen „Suprarenin“ auf den Markt. 1912 entwickelte Friedrich Stolz ein Schmerzmittel, das bei Gelenkrheuma stärker wirkt als „Pyramidon“: Das „Melubrin“. Der Medikamentenname setzt sich aus den Anfangsbuchstaben der Firmengründer Meister, Lucius und Brüning zusammen. Indirekt war Stolz an einem weiteren Meilenstein der Pharmazie beteiligt: Ein aus dem „Melubrin“ entwickeltes Arzneimittel, das „Novalgin“, war seit seiner Einführung 1922 bis in die 1970er Jahre ein Standardmedikament in der Schmerzbehandlung. Friedrich Stolz, der in unmittelbarer Nähe des heutigen Tor Ost in einer Werkswohnung in der Paulistraße gelebt hatte, wurde nach seinem Tod im Jahr 1936 auf dem Höchster Friedhof beigesetzt.

Friedrich Stolz, * 1860, † 1936

Paul Ehrlich: Vater der modernen Chemotherapie – Nobelpreis 1908

Paul Ehrlich verwendete Farbstoffe, um Zellen unter dem Mikroskop besser untersuchen zu können. Durch seine Färbemethoden unterschied er verschiedene Arten von Blutzellen, wodurch die Diagnose zahlreicher Blutkrankheiten möglich wurde. Für seine Methode, mit der die Wirksamkeit von Impfseren bestimmt werden konnte, die sogenannte „Wertbestimmung von Sera“, erhielt er 1908 den Medizin-Nobelpreis. Paul Ehrlich begann auch damit, chemische Stoffe gezielt mit Blick auf ihre Wirkung gegen bestimmte Krankheitskeime zu testen und modifizieren. Dies markiert den Beginn der modernen Chemotherapie. Gegen die Syphilis, eine bakterielle Infektion, finden Paul Ehrlich und sein Mitarbeiter, der japanische Bakteriologe Sahatschiro Hata, im Laborversuch ein Arzneimittel. Die Farbwerke, mit denen Ehrlich vertraglich verbunden ist, beginnen die Herstellung auf großtechnische Anlagen in gleich bleibender Qualität zu übertragen. Im Jahr 1910 bringen die Farbwerke das Mittel als „heilendes Arsen“, als „Salvarsan“, auf den Markt.

Paul Ehrlich, * 1854, † 1915

Paul Duden: Wegbereiter der Acetylenchemie

Der Chemiker Paul Duden arbeitete seit 1905 für die Farbwerke, er begann als Leiter des Azofarbenbetriebs. Zur Zeit des Kriegsausbruchs 1914 war er technischer Werksleiter der Farbwerke. 1917 legte Duden die Grundlagen für die spätere Kunststoffproduktion, indem er ein Verfahren zur Herstellung von Acetaldehyd, Aceton und Essigsäure entwickelte. Eine Straße in Kriftel ist nach dem Chemiker benannt worden, der weniger bekannt ist als sein Vater, der Wörterbuch-Schöpfer Konrad Duden.

Paul Duden, * 1868, † 1954

Otto Horn: Mitbegründer der Kunststoffsparte

Prof. Otto Horn gilt als Mitbegründer der Kunststoffsparte von Hoechst. Nachdem der Chemiker Karl Ziegler aus dem Ethylen das Polyethylen entwickelt hatte, nahm Professor Otto Horn im Jahr 1952 Kontakt zu Ziegler auf und erwarb dessen Niederdruckpolyethylen-Verfahren. In Höchst hatte man erkannt, dass sich für Polyethylen-Kunststoffe viele Anwendungsmöglichkeiten boten. Am Standort wurde noch im Jahr 1952 ein Betrieb errichtet, der viele erfolgreiche Kunststoffe unter dem Markennamen „Hosta-“ entwickelte und vermarktete. Nicht nur viele Gebrauchsgüter des täglichen Bedarfs konnten aus diesen Kunststoffen gefertigt werden, sondern auch stark belastete Maschinenteile wie Zahnräder. Otto Horn war ab 1957 der erste Forschungsleiter von Hoechst. Nach ihm ist die Verbindungsstraße vom Tor Süd-West zum Tor Süd benannt.

Otto Horn, *1904, +1991

Zeitstreifen

Dauerausstellung Zeitstreifen am Besucherempfang Tor Ost

Öffnungszeiten: Montag - Donnerstag, 7:00 – 16:30 Uhr, Freitag 7:00 – 15:00 Uhr

Broschüre „Industriestandort Höchst“

Die Broschüre „Industriestandort Höchst“ wirft einen Blick auf die Geschichte des Standortes und begleitet die Menschen, die an dieser Erfolgsgeschichte mitgeschrieben haben. Hier online durchblättern oder die Druckausgabe kostenlos per E-Mail bestellen, solange der Vorrat reicht.

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Impressum
Bilder: Hoechst GmbH, Firmenarchiv
Redaktion, Texte und Bildredaktion: Mathias Stühler, Unternehmenskommunikation, Infraserv Höchst