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27.04.2026 | Pressemeldung
Bei Provadis in die MINT-Berufswelt eintauchen
16 Schülerinnen aus der Umgebung von Frankfurt bekommen bei „Girls4MINT“ erste Praxiseinblicke
Die Veränderungen und Herausforderungen in der Berufswelt durch die Digitalisierung und Transformation erfordern von Beschäftigten neue Kompetenzen. Besonders gefragt sind sogenannte Future Skills wie vernetztes Denken und Offenheit. In allen Branchen werden dringend Fachkräfte benötigt, die mit transformativen Technologien umgehen können. Obwohl viele Mädchen Stärken in diesen Bereichen mitbringen, entscheiden sie sich deutlich seltener als Jungen für Berufe in den zukunftsgestaltenden Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik (MINT). Laut einer OECD-Studie stehen bei Mädchen soziale Berufe wie Lehrerin, Ärztin und Erzieherin ganz oben auf der Beliebtheitsskala. Im Gegensatz dazu bevorzugen Jungen eher typische MINT-Berufe wie Informatiker, Maschinenbauer und (Kfz-)Mechatroniker.
Um diesem Ungleichgewicht entgegenzuwirken und insbesondere Mädchen für MINT-Zukunftsberufe zu begeistern, hat Provadis im Auftrag des Landes Hessen und der Regionaldirektion Hessen der Bundesagentur für Arbeit im Jahr 2022 das Berufsorientierungsangebot „Girls4MINT“ an den Start gebracht. Ziel des viertägigen Programms in Kooperation mit Unternehmen der Branche ist es, Schülerinnen der Jahrgangsstufen 7 bis 10 für den MINT-Bereich zu begeistern und ihnen fundierte Informationen über naturwissenschaftlich-technische Berufe zu vermitteln. Im Fokus stehen Einblicke in Unternehmen, Tätigkeiten und Ausbildungsberufe. In das Programm eingebunden sind Ausbilderinnen bzw. Geschäftsführerinnen aus den Unternehmen, die als Vorbilder aus ihrem Berufsalltag berichten. Auszubildende begleiten die Projektarbeiten und beantworten Fragen zu ihren eigenen Erfahrungen in den Ausbildungsberufen.
Die Teilnehmerinnen sollen erkennen, dass sie durch MINT-Berufe wichtige gesellschaftliche Zukunftsfelder, wie Digitalisierung und Nachhaltigkeit mitgestalten können. „Oft wollen Mädchen Berufe ergreifen, bei denen sie Menschen helfen können“, sagt Julia Behle, Projektleiterin von „Girls4MINT“. „Diese Ziele können sie aber nicht nur in sozialen Berufen verwirklichen, sondern beispielsweise auch durch innovative Produktentwicklungen oder in der Entwicklung klimafreundlicher Technologien.“ Mittlerweile haben rund 200 Schülerinnen bei „Girls4MINT“ mitgemacht. Einige haben sich anschließend für ein Praktikum oder eine Ausbildung im MINT-Bereich in einem der Girls4MINT-Unternehmen entschieden.
Spannende Einblicke und erste praktische Erfahrungen
Die 16 Teilnehmerinnen von „Girls4MINT“ in Frankfurt kamen von der Elisabethenschule Frankfurt, der Limesschule in Idstein, der Mendelssohn-Bartholdy-Schule in Sulzbach, der Elisabethenschule in Hofheim und dem Taunusgymnasium Königstein. Sie erlebten beim Praxisstandort Provadis ein abwechslungsreiches Programm rund um MINT-Themen und Ausbildungsberufe in den Bereichen Elektrotechnik, Mechanik, Informatik und chemische Verfahrenstechnik.
Direkt am ersten Tag ging es für die Mädchen in die Welt der Metallbearbeitung. Nach einer Einführung in Grundtechniken, wie Feilen, Nieten, Sägen, Bohren und Entgraten, also dem Entfernen scharfer Kanten, konnten die Teilnehmerinnen selbst Hand anlegen und ein eigenes Werkstück in Form eines kreativ gestalteten Stiftehalters fertigen.
Am Dienstag stand eine Einführung mit Anwendungsbeispielen aus der Informatik auf dem Programm. Mit Hilfe des Open-Source-Programms TinkerCAD sowie eines programmierbaren Mikroprozessors und elektronischer Bauteile wie LEDs, Widerständen und einem Steckbrett lernten die Teilnehmerinnen zunächst in der Simulation und dann am realen Objekt, wie sich Schaltkreise digital steuern lassen. So erfuhren sie auch, wie beispielsweise Sensorik und Steuerung in einem Smart Home funktionieren können.
Erste Erfahrungen in der Elektrotechnik sammelten die Teilnehmerinnen am Mittwoch. In einem Grundlagenkurs lernten sie einzelne Bauteile der Mikroelektronik kennen und durften in einem vertieften Workshop beim Löten von Platinen eigene Exponate anfertigen.
Am letzten Praxistag konnten die Mädchen in die chemische Produktion eintauchen und live erleben, wie chemische Synthese im industriellen Umfeld funktioniert: Im Technikum von Provadis stellten sie an Kesselanlagen Calciumcarbonat im technischen Maßstab her und lernten, wie man eine Probe zieht und überprüft, ob die Reaktion vollständig abgeschlossen ist, indem sich ein Feststoff aus der Lösung abscheidet. Anschließend wurde das Produkt gereinigt und getrocknet. Der Tag endete mit einer Vorstellung verschiedener Berufe in der Chemie sowie einer abschließenden Feedbackrunde.
In einem Feedback-Gespräch in der Schule erhalten die Teilnehmerinnen in den nächsten Tagen eine persönliche Rückmeldung zu ihren individuellen Kompetenzen im Bereich MINT. Eine Abschlussveranstaltung mit den Teilnehmerinnen, ihren Eltern, der Agentur für Arbeit sowie Unternehmensvertreterinnen und -vertretern rundet das Berufsorientierungsprojekt ab. Abschließend erhalten die Schülerinnen ein Zertifikat über ihre Teilnahme.
Für die 16-jährige Marie Degenkolb vom Taunusgymnasium war es spannend, einen Einblick in eher männerdominierte Berufe zu bekommen. „Ich finde, dass man seine Berufswahl unabhängig von solchen Klischees treffen sollte“, sagte Marie mit Blick auf die noch immer oft geschlechtertypische Berufswahl. Aktuell arbeitet sie neben der Schule im Labor einer Apotheke und wollte bei Girls4MINT weitere Berufe im MINT-Bereich kennenlernen, da dieser Bereich für ihre berufliche Zukunft auf jeden Fall infrage kommt.
Eine ähnlich klare Motivation hatte auch die 15-jährige Mali Bartel von der Limesschule in Idstein. Sie hatte sich für das Projekt angemeldet, um Erfahrungen zu sammeln und sich über mögliche berufliche Perspektiven zu informieren. Besonders beeindruckt war sie davon, dass die Teilnehmerinnen selbstständig arbeiten konnten und am Ende konkrete Ergebnisse ihrer Arbeit in den Händen hielten. Und noch eine weitere Erkenntnis nahm Mali aus dem Projekt mit: „Ich hätte nicht gedacht, dass ich diese ganzen Sachen kann, aber jetzt macht es mir viel Spaß“.
Die 14-jährige Milena Mensinger von der Elisabethenschule in Hofheim nahm auf Empfehlung ihrer Lehrerin im MINT-Wahlpflichtunterricht an dem Projekt „Girls4MINT“ teil. Sie war neugierig auf das Programm und wurde nicht enttäuscht: „Besonders gut haben mir das Programmieren, aber auch das Löten und die Metallarbeiten gefallen.“ Was sie außerdem schön fand? „Dass man am Ende auch etwas hatte, das man behalten konnten.“ So entsteht aus den vier Praxistagen auch bleibende Erinnerungen.
Angebote an weiteren hessischen Standorten
Das Projekt „Girls4MINT“ ist eine Gemeinschaftsinitiative des Hessischen Ministeriums für Wirtschaft, Energie, Verkehr, Wohnen und ländlichen Raum sowie der Regionaldirektion Hessen der Bundesagentur für Arbeit. Beide Partner finanzieren das Projekt, das auch vom Europäischen Sozialfonds (ESF) unterstützt wird. So entstehen für die Schülerinnen und die beteiligten Schulen keine Teilnahmegebühren. Provadis ist für das Konzept und die Durchführung der insgesamt 18 Girls4MINT-Veranstaltungen zuständig, die zwischen 2024 und 2026 in zwölf Regionen zusammen mit ortsansässigen Unternehmen bereits durchgeführt wurden oder noch anstehen. Das Hessische Kultusministerium unterstützt das Projekt.
Detaillierte Informationen finden Interessierte unter www.girls4mint.de .
Provadis, der Fachkräfte-Entwickler der Industrie, gehört mit rund 1.800 Auszubildenden und über 2.500 Weiterbildungsteilnehmenden an den Standorten Frankfurt und Marburg zu den führenden Anbietern von Bildungsdienstleistungen in Hessen. Mehrere Hundert internationale Kunden nutzen in Partnerschaften und Kooperationen das Know-how von Provadis auf den Gebieten der Aus- und Weiterbildung, der Personal- und Organisationsentwicklung und bei der Entwicklung von E-Learning- Konzepten. Mit Provadis E-Technologies verfügt der Bildungsdienstleister über einen eigenen Bereich für das E-Learning. Provadis Professionals vermittelt Fachkräfte in die Industrie und unterstützt Unternehmen bei der Personalstrategie. Die Provadis Partner für Bildung und Beratung GmbH ist ein Unternehmen der Infraserv Höchst-Gruppe.