Zur Feier des Tages war das längliche, pink farbene Kraftpaket mit einer etwa zwanzig Meter langen und mehr als ein Meter breiten Schleife geschmückt worden. Die Rede ist von der neuen Gasturbinenanlage im Industriepark Höchst, die von der Frankfurter Oberbürgermeisterin Petra Roth zusammen mit Infraserv-Geschäftsführer Dr. Dieter Kreuziger und Dr. Thomas Hertel, Leiter Produktion und Technik der Division Energien von Infraserv, am 4. Juni offiziell eingeweiht wurde.
Der Industrieparkbetreiber Infraserv Höchst hat kräftig in die Optimierung der Energieversorgung am Standort investiert: für 23,5 Millionen Euro wurde das Heizkraftwerk im Industriepark Höchst durch den Einbau einer 40 Megawatt-Gasturbine erweitert.
Das Heizkraftwerk von Infraserv Höchst versorgt die im Industriepark ansässigen Unternehmen mit Prozesswärme und elektrischer Energie und erschließt damit die Vorteile der Kraft-Wärme-Kopplung. Dabei werden Wärme und elektrische Energie gleichzeitig erzeugt und so ein sehr hoher Nutzungsgrad der Primärenergie Kohle und Gas - von circa 90 Prozent erreicht. Das ist ein zwei- bis dreimal höherer Wirkungsgrad als bei reinen Stromkraftwerken. Mit der Erweiterung durch die Gasturbine wird die Effizienz des Kraftwerkes gesteigert: Es stehen jährlich zusätzlich 320.000 Megawattstunden an elektrischer Arbeit zur Verfügung und die Abwärme aus der Gasturbine wird für die Dampferzeugung genutzt. Diese Maßnahme hat uns zwar viel Geld gekostet, aber sie ist eine Investition in die Zukunft des Standortes, der sich mit einer leistungs- und wettbewerbsfähigen Infrastruktur an den Bedürfnissen unserer Kunden orientiert. Wettbewerbsfähige Strom- und Dampfpreise - auch im internationalen Vergleich - sichern bestehende Produktionsstätten am Standort, sind entscheidend für Erweiterungsinvestitionen heutiger Standortnutzer und sie sind Voraussetzung für die Ansiedlung neuer Unternehmen im Industriepark, erläuterte Geschäftsführer Dr. Dieter Kreuziger. Und letztendlich sichere ein attraktiver Standort langfristig auch Arbeitsplätze im Industriepark sowie in der Region.
Infraserv Höchst leistet mit dieser Modernisierungsmaßnahme für das Kraftwerk aber auch einen Beitrag zum Klima- und Umweltschutz. Die hohe Effizienz der Anlage trägt zu einer Kohlendioxid ärmeren Energieversorgung bei. Petra Roth würdigte diese Maßnahme als ein Musterbeispiel, dem andere folgen können. Sie betonte dabei die Wichtigkeit Frankfurts als traditionellem Standort der chemischen Industrie: Für eine nachhaltige Entwicklung sind einerseits wirtschaftliche Faktoren entscheidend, aber der Umweltschutz muss ebenfalls eine Rolle spielen. Bei der Modernisierung des Kraftwerkes kämen beide Komponenten in hervorragender Weise zusammen. So sei die Gasturbine eine höchst erfreuliche Maßnahme für unsere Umwelt und ein bedeutsamer Beitrag für unser Frankfurter Klimaschutzprogramm.
Dr. Thomas Hertel vom Bereich Energien bei Infraserv griff diesen Punkt ebenfalls auf und bekräftigte das Engagement Infraservs. Wir sehen uns hier gemeinsam mit Industrie und Energiewirtschaft in der Verantwortung, die Verpflichtungen aus dem Kyoto-Protokoll zur Begrenzung der CO2-Emissionen zu erfüllen. Darüber hinaus sind klar definierte Umweltschutzziele seit jeher in den Unternehmensleitlinien von Infraserv verankert. Daraus leiten wir kontinuierlich neue Maßnahmen zur Optimierung für alle Prozesse und Dienstleistungen ab, um Umwelt und Ressourcen möglichst zu schonen. Die Gasturbine ist eine davon, begründete er die 23, 5 Millionen-Euro-Investition. Die neue Anlage reduziert den Kohlendioxid-Ausstoß gegenüber herkömmlicher Kohletechnik um etwa 45 Prozent.
Die Gasturbinenanlage konnte dank einer straffen Projektkoordination innerhalb kürzester Zeit realisiert werden. Vom Prüfen aller möglichen Lösungsvarianten, über Genehmigungsantrag, Erteilung der Baugenehmigung und Einbau der Gasturbine bis zum erfolgreichen Probebetrieb vergingen nur sechzehn Monate. Die zügige Realisierung war Voraussetzung, um die zeitlich befristete Bezuschussung durch das KWK-Gesetz (Gesetz für die Erhaltung, die Modernisierung und den Ausbau der Kraft-Wärme-Kopplung), die bis 2010 eine begrenzte Förderung solcher Maßnahmen vorsieht, zu erhalten. Insofern, so freut sich Kraftwerksleiter Matthias Schubert, haben sich hier ökonomische Ziele einmal einträchtig mit ökologischen verbinden lassen.
Die neue Gasturbinenanlage des Kraftwerks von Infraserv Höchst. Die eigentliche Turbine befindet sich in dem pinkfarbenen Gebäudeteil, in der Mitte ist der Anfahrkamin zu sehen, davor die Trafostation. Im Vordergrund links der Rauchgaskanal, der ins Kraftwerk führt. Hier werden die Abgase der Turbine einer weiteren energetischen Verwendung zugeführt.
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Blick auf das Innenleben der Gasturbine.
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Infraserv Höchst mit Sitz in Frankfurt am Main ist ein führender Dienstleister und ganzheitlicher Standortbetreiber für die Chemie- und Pharmaindustrie. Infraserv versorgt Unternehmen der Prozessindustrie mit Produkten und Dienstleistungen in den Bereichen Energie, Logistik, Facility Management, Umweltschutz, Sicherheit und Entsorgung, mit Technischen Services, Einkaufsleistungen sowie Qualifikation und Training. Das Unternehmen beschäftigt 3700 Mitarbeiter und erzielte 2003 einen Umsatz von 931 Millionen Euro.
Der Industriepark Höchst ist Standort für über 80 Unternehmen aus den Bereichen Pharma, Biotechnologie, Basis- und Spezialitäten-Chemie, Pflanzenschutz, Lebensmittelzusatzstoffe und Dienstleistungen. Rund 22.000 Menschen arbeiten täglich im Industriepark. Das Gelände ist 460 Hektar groß; 89 Hektar sind noch frei für Ansiedlungen. Die Unternehmen im Industriepark investierten im Jahr 2003 insgesamt rund 390 Millionen Euro am Standort nach 408 Millionen Euro im Jahr 2002.